"Erinnerungen heilen"

Ökumenischer Gottesdienst eröffnet Reformationsgedenken

Erinnerungen3„In der Vergangenheit haben die Jahrhundertfeiern der Reformation die Gräben zwischen den Konfessionen vertieft. Im Jubiläumsjahr 2017 soll es anders sein. Wir wollen nach den gemeinsamen Wurzeln, den wechselseitigen Herausforderungen und den verbindenden Zukunftsaufgaben fragen.“ Mit diesen Worten begrüßte Dekan Karlhermann Schötz zusammen mit Dekan Walter Hellauer eine große ökumenische Gemeinde in der Pfarrkirche St. Marien.

„Erinnerungen heilen“, das war das Ziel des ökumenischen Gottesdienstes zum Auftakt des Reformationsgedenkjahrs. Die beiden Dekane zelebrierten den bewegenden Gottesdienst gemeinsam, ergänzt von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern beider Konfessionen. Auch die musikalische Gestaltung unterstrich die Ökumene. Im Altarraum spielte der Posaunenchor der Christuskirche, auf der Empore sang der Kirchenchor von St. Marien.

Erinnerungen1Evangelische und katholische Christen haben in Eifer und Unduldsamkeit Krieg gegeneinander geführt, Menschen um ihres Glaubens willen verfolgt und vertrieben, gefoltert und getötet. So wurde die Freude des Glaubens in Hochmut verkehrt. Richard Reisinger, Sprecher des Pfarrgemeinderats, und Pfarrer Dr. Roland Kurz sprachen zusammen dieses Schuldbekenntnis. Sie baten auch um Vergebung für den Mangel an Nächstenliebe, der die Gottesliebe verdorren lässt, und für die Trennung am Tisch des Herrn.
Auf dem Boden vor dem Altar lag ein großes Kreuz. „Es wirkt wie eine Barriere, die uns den Weg versperrt: den Weg zueinander, den Weg zu unseren Nächsten, den Weg zu Gott“, sagte Dekan Hellauer. Zusammen mit Dekan Schötz, Dr. Kurz und Kaplan Daniel Fenk richtete er das Kreuz auf und verwandelte es so von einem Sperrsymbol in ein Versöhnungssymbol.

Am 31. Oktober 2016 feierte Papst Franziskus in Lund mit Vertretern lutherischer Kirchen den Reformationstag. Damals entstand die Gemeinsame Erklärung anlässlich des gemeinsamen katholisch-lutherischen Reformationsgedenkens. Auf diese Erklärungen gingen die beiden Dekane in ihrer Predigt ein. 50 Jahre ununterbrochener ökumenischer Dialog, stellten sie fest, haben geholfen, viele Unterschiede zu überwinden und haben das gegenseitige Verständnis und Vertrauen vertieft: „Durch diesen Dialog und gemeinsames Zeugnis sind wir nicht länger Fremde. Vielmehr haben wir gelernt, dass das Verbindende größer ist als das Trennende.“ Sie verpflichteten sich, gemeinsam Gottes barmherzige Gnade zu bezeugen und sich zu bemühen, die verbleibenden Hindernisse zu beseitigen, die die Kirchen davon abhalten, die volle Einheit zu erlangen. Denn sie haben sich angenähert, aber ihr gemeinsamer Weg ist noch nicht zuende. „Indem wir uns im Glauben an Jesus Christus näherkommen und Christi Liebe in unseren Beziehungen leben, öffnen wir uns, Katholiken und Lutheraner, der Macht des dreieinigen Gottes“, schlossen die Dekane.

Für die vielfachen Schritte der Versöhnung und die neue Kultur des Dialogs dankten der katholische und der evangelische Dekan einmütig. Gemeindereferentin Maria Witt und Pfarrer Wolfgang Bruder baten in den Fürbitten um Zeichen der Versöhnung und für die Opfer religiös motivierter Gewalt. Kaplan Fenk, Reisinger, Pfarrer Bruder, Pfarrer Dr. Kurz und Vikar Fischer trugen für den weiteren ökumenischen Weg fünf Selbstverpflichtungen vor, die eine Perspektive der Einheit beschrieben und dazu ermutigten, aus der Kraft des Evangeliums Jesu Christi die sichtbare Einheit zu suchen und zusammen Zeugnis für Gottes Gnade abzulegen. Nach jeder Verpflichtung wurde eine Kerze entzündet und brachte mehr Licht in die Kirche.Das aufgerichtete Kreuz schien Segen zu spenden für die große ökumenische Gemeinde, die hier im Gebet vereint war.