Ostergruß - mal ein wenig anders.

I netRave, aus dem Englischen für „rasen, schwärmen, toben, fantasieren“, ist ein während der Acid-House-Bewegung ab dem Second Summer of Love 1989 entstandener Begriff für Tanzveranstaltungen mit elektronischer Musik. Auf diesen Partys wurde der konzeptionelle Schwerpunkt erstmals auf ekstatischen Tanz gelegt. ... Insbesondere die in den Chill-out-Rooms gespielte Musik ist in der Regel äußerst avantgardistisch. Soweit - unter anderem Wikipedia über "Rave".

Und was hat das mit Kirche zu tun?

Naja, wir waren auch einmal avantgardistisch. Damals vor 2000 Jahren. Am Ostermorgen. Als die Jünger in ihrer Wichtigkeit über Konzeptionen brüteten, wie es nach Karfreitag weitergehen kann. Ich bin mir sicher, da wurde so manches "Leuchtturmprojekt evaluiert" (so nennt man das inzwischen, wenn jemand eine gute Idee hat und die dann umsetzt) und intensiv über alle Eventualitäten nachgedacht. Da wurden Stellungnahmen erarbeitet, die gnadenlos ausgewogen alle möglichen Befindlich- und Betroffenheiten berücksichtigt haben. Und diese dann in einer allinklusiven umfassendst integrierenden (dafür kaum mehr lesbaren) Sprache juristisch wasserdicht auf den Punkt gebracht wurden - auf läppischen 42 Seiten (zuzüglich Anhänge, Fußnoten und Querverweise, versteht sich).

Und was ist daran avantgardistisch?

Nichts. Aber irgendwann wurden die Türen aufgerissen und drei Frauen riefen in den Saal: Das Grab ist leer. Und bevor Petrus rufen konnte: "Das erfordert eine völlig neue Diskussion - lasst uns Unterausschüsse .... " brauch lauter Jubel aus ...

Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern (Mt 28,10). So lapidar beschreibt Matthäus die Begegnung mit dem Auferstandenen. In zwei kurzen eingängigen Sätzen. Vielleicht waren sie deshalb so bahnbrechend und beendeten die Zeit des Bangens. Aus Verzweiflung wurde Hoffnung. Die Grabesruhe des Karfreitags war überwunden.

... Und dann war Schluss mit Sitzung. Dann wurde gefeiert. Gefeiert, dass mit dem Tod am Kreuz eben nichts zu Ende gegangen war. Dass das Leben, nicht die Dunkelheit das letzte Wort hatte.

Wir werden atmen. Wir werden lachen. Wir werden tanzen. Und glücklich sein.
Das werden Tage. Das werden Nächte. Wir sind unsterblich. Nie mehr allein.
(HRK, Wenn es vorbei ist)

Frohe und gesegnete Ostern 2022

Ihr Pfarrer Roland Kurz